James Bond 007 - Skyfall
Bond stellt sich der Vergangenheit und blickt zurück in die Zukunft.
Im Grunde ist diese Filmrezension fehl am Platze auf einer Internetseite, die sich dem Comic verschrieben hat. Da wir nun aber mal BOND-WEEK haben und ich gerade mit den frischesten Eindrücken aus dem Kino komme, machen wir hier einmal eine klitzekleine Ausnahme. Ausserdem ergänzen sich diese Eindrücke perfekt ergänzen zu den Erwartungen an BOND als Archetyp, welche ich im ersten Teil unserer Specials aufgestellt habe.

Skyfall, das 23. offizielle Abenteuer in der Bond-Reihe im 50. Jubiläumsjahr, ist alles das, was man erwartet. Allerdings nur versatzweise und in Happen und einzelnen Szenen. Alles, was Regisseur Sam Mendes, die Autoren Neal Purvis, Robert Wade und John Logan zwischen diese genialen Bond-Gimmicks verwoben haben, ist ein waschechter Agententhriller, der nicht nur Bond als Filmfigur in einer immer realer werdenden, von Agentenkonkurrenz nur so strotzenden Filmlandschaft rechtfertigt, sondern der Bourne-ierten Nachfolger-Ära sogar in einer höchst britischen und subtilen Art den aristokratischen Mittelfinger zeigt. Im Film muss "M" die scheinbar überholten Aktivitäten von Spionen vor einem Ausschuss verteidigen, in Wahrheit spricht hier der Geist der vergangenen 50 Jahre Bond an den verwöhnten Ebeneezer Scrooge in alle Bond-Zweifler.

Der Inhalt sollte, wie eine Akte auf dem Schreibtisch von "M", tatsächlich mal TOP SECRET sein und auch an dieser Stelle verschwiegen werden. Zu eindrucksvoll spielt das gesamte Ensemble hinter und vor der Kamera mit Erwartungshaltungen und führt Zuschauer und sich selbst ordentlich an der Nase herum. Der Film ist ein einziges Katze-Maus-Spiel. Wie es sich für einen Agentenfilm eben gehört. Leider - und ich sage leider aus der Sicht des kleinen Jungen in mir - bleibt dabei für weite Teile des Filmes dieses typische Bondfeeling aus, das nahezu all seine Vorgänger von der ersten bis zur letzten Sekunde hatten. Doch immer, wenn man sich dabei ertappt und denkt: "Hey, moment mal..." kommt das Gitarren-Riff in der Musik auf, fährt ein Aston Martin - Nein, DER Aston Martin - und ich meine DEN Aston Martin - aus einer Garage oder wird sich gepflegt selbst auf die Schippe genommen, in dem einzigartige Bond-Klischees gleichermaßen bedient, wie karikiert werden.

Streng genommen unterteilt sich der Film in 3 Teile. Der erste ist eine pure und konsequente Weiterfahrt auf der Achterbahn, die Casino Royale gestartet hat. Daniel Craig ist der etwas andere Bond. Der rohe Diamant, der sich in der feinfühligen Agentenwelt aufführt, wie King Kong beim Folkloretanz. Wenn er sagt: "Bond, James Bond!" ist das eine Ansage, keine Floskel. Ein Schlag ins Gesicht des Gegners. Der zweite, mittlere Teil führte mich auf die oben erwähnte Fährte, hier dreht sich der Film Richtung Old-School James Bond. Fieser, ekelhafter - und grrrannnndios gespielter - Gegenspieler mit seiner Mission und dem ganzen Schnick-Schnack der Roger Moore-Ära. Überdreht und überdimensional. Der dritte Teil ist dann etwas ganz besonderes in der Geschichte der Bond-Filme und das möchte ich einfach nicht kommentieren, sondern bei jedem Zuschauer wirken lassen. Ich verrate nur soviel, dass hier ein Novum in Kraft tritt, welches ich in meiner Young-Bond-Comic-Rezension eigentlich bemängelt hatte. Denn tatsächlich wird hier die Vergangenheit von Bond angefasst und wird elementares Puzzleteil im großen Ganzen. Doch gerade, wenn man sich wieder dabei ertappt, zu überlegen, was zur Hölle das in einem Bond-Film soll, bekommt DER Aston Martin einen Kratzer und Bond ist darüber wütender als nach dem Tod von Vesper.
Ausserdem wird seine Vergangenheit nur thematisiert und nicht dargestellt. Ein elementarer Unterschied. Darüber hinaus wird sie sogar ein für alle Mal ausradiert.

Bond stellt sich den Dämonen seiner Vergangenheit, und auch "M" - viel mehr im Mittelpunkt der Handlung, als je zuvor - muss diese bekämpfen und überwinden.




